Ein Nachmittag im „Transito“

Uns „Gringos“ kommen einige Sitten und Bräuche der Bolivianer schon eigenartig vor. Besonders witzig, war es am Montagnachmittag. Wie immer ging ich gegen zwei zur Arbeit. Als ich im „Centro Aleman“ ankam, fiel mir gleich auf, wie ruhig es doch war. An diesem Nachmittag waren einfach keine Kinder dort und selbst die anderen „Lehrer“ hatten keine Ahnung warum. Auch nicht schlimm, so hatte ich eben den Rest des Tages frei. Als ich wieder zuhause ankam, beschlossen ich und ein anderer Freiwilliger, der auch frei hatte, zusammen mit seinem Motorrad auf den Markt zu fahren.

Genau wie alle anderen „Camireños“ fuhren wir ohne Helm. Fünf Minuten später wurden wir jedoch von zwei Polizisten auf einem Moped angehalten. Die Beiden fuhren natürlich auch ohne Helm. Sie meinten wir sollen doch mitkommen zum „Transito“ (Polizeirevier), es sei verboten ohne Helm zu fahren.

Auf der Station angekommen begrüßte uns der Polizeichef ganz freundlich und servierte erst einmal Tee für uns alle. Etwa eine halbe Stunde redeten wir dann über Gott und die Welt, bis dann doch das Thema mit den Helmen angeschnitten wurde. Nach einer kurzen Diskussion mit ihm, kamen wir dann ohne Strafe davon, allerdings zum letzten Mal, so der Polizeichef.

Als wir gerade gehen wollten, sprach der Polizist dann meinen Freund an, er wolle seine Schuhe kaufen, und bot ihm 38Bs (3,80€) an. Natürlich war das zu wenig. Doch noch ließ der Polizist nicht locker und wollte jetzt sogar 39Bs zahlen. Also etwa unglaubliche 10ct mehr. Wir lehnten ab und gingen.

Später am Abend fuhr ich dann mit einem bolivianischen Freund im Auto und witziger weise wurden wir schon wieder von den gleichen Polizisten angehalten. Diesmal wollten sie den Führerschein meines Freundes sehen. Aber wie viele Bolivianer hatte er natürlich keinen, denn der ist für bolivianische Verhältnisse halt auch teuer, wobei ein Deutscher über die 45€ für die Fahrlizenz lacht. Also mussten wir schon wieder ins „Transito“. Mein Freund sollte 50BS (5€) Strafe zahlen, weil er aber beteuerte, er fahre nicht oft Auto, einigten sie sich auf 10Bs (1€) Strafe. Als wir das Polizeirevier verließen, stiegen wir natürlich wieder ins Auto und fuhren nach Hause. Ich habe selten so viel gelacht, wie an diesem Montag.

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