Die Silberminen von Potosí

Heute Morgen begann dann also die lang erwartete Salz und Silberreise. Gegen 8:30 Uhr holte ein Taxi mich und zwei andere Freiwillige aus Sucre vom Hostel ab. Die erste Station, Potosí, erreichten wir nach etwa drei Stunden Taxifahrt durch wunderschöne Berglandschaften.

In der höchstgelegenen Großstadt der Welt (etwa 150 000 Einwohner auf 4100m) angekommen, checkten wir erst einmal im neuen Hostel ein. Nach kurzer Ruhepause machten wir dann einen Spaziergang durch die Innenstadt, die bis auf ein paar Kirchen und Kolonialbauten nicht viel zu bieten hat. Schade, von dem Reichtum der einst größten und reichsten Stadt Südamerikas ist nicht mehr viel zu sehen.

Richtig interessant wurde es dann am Nachmittag. Die Führung durch den „Cerro rico“ (reicher Berg) mit seinen (immer noch in Betrieb stehenden) Silberminen stand an. Erst einmal wurden wir standesgemäß in Bergarbeiterkleidung eingekleidet, dann ging es hoch zu einem ganz besonderen Markt. Hier kauft der Minenarbeiter alles was er braucht von Arbeitskleidung, über Dynamit, bis hin zu Kokablättern und Getränken. Die Sache ist nämlich, dass hier in Bolivien die Ausrüstung für die Arbeiter nicht gestellt wird, sondern jeder muss sie sich selbst kaufen. Wir kauften auf dem Markt noch schnell Koka und Limonade für die Minenarbeiter, dann ging es hoch zum Berg.

Seit 1505 werden am „Cerro rico“ Silber, Zink und andere Mineralien abgebaut und so schrumpfte der Berg von seinen einst 5200m auf seine heutigen 4700m. Das Silber das hier in Potosí abgebaut wurde, war damals die wichtigste Einnahmequelle des Spanischen Kolonialreiches. Mittlerweile sind die Silbervorräte so gut wie erschöpft, aber es arbeiten immer noch einige Bolivianer in den Minen.

So betraten wir also einen Tunnel, auf dessen Boden Schienen verlegt waren. Einige Male kamen uns sogar Minenarbeiter mit einem Wagen voll Gestein entgegen. Jeder dieser Wagen fasst etwa eine Tonne Abraum. Die Arbeiter verdienen 100Bs (etwa 10€) pro Tag, aber nur wenn sie jeden Tag 20 Tonnen Gestein aus dem Berg holen. Für Bolivien ist das zwar ein ganz guter Lohn, aber die Arbeitsbedingungen in den Minen sind immer noch unglaublich schlecht. Es wird so gut wie alles noch per Hand gemacht, die Gänge sind selbst für kleine Bolivianer sehr eng und in den Tiefen des Berges kann es bis zu 50°C warm werden. Dazu kommt das Werkzeuge und Kleidung denkbar schlecht sind, da sich die Arbeiter alles selber kaufen müssen. So sterben im Monat durchschnittlich 5 Minenarbeiter im „Cerro rico“ und der Staat investiert nicht in bessere Sicherheit.

Wir wanderten etwa 2 Stunden durch die Gänge und schenkten den Arbeitern unser Koka und Limonade. Da ich der größte der Gruppe war, sollte ich auch einem Arbeiter helfen Eimer voller Schutt aus einer Tiefe von etwa 15m  per Kurbel heraufzuziehen. Obwohl wir zu zweit waren und ich nur 10 Eimer mit heraufzog, kam ich ganz schön aus der Puste. Die Vorstellung das den ganzen Tag in dieser heißen und schlechten Luft machen zu müssen gefällt mir nicht so.

Am frühen Abend kehrten wir ins Hostel zurück. Dann gingen wir in der Stadt noch essen. Nachts ist es hier bitterkalt in Potosí und so habe ich zum ersten Mal Schal und Mütze auspacken müssen.

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2 Gedanken zu „Die Silberminen von Potosí

  1. Sehr geehrter Janosch,
    danke für den schönen Bericht. Ich hätte mal eine Frage. Kann man dort Silber kaufen?
    Herzliche Grüsse
    Sylvio Uhlmann

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